
In Turin hat eine kürzliche Gesetzesänderung die Gastronomiebranche erschüttert und eine lebhafte Debatte ausgelöst. Ab heute dürfen die Hotels der Stadt ihre Bars und Restaurants wieder öffnen, sodass nun jeder, nicht mehr nur ihre Gäste, ihre Speisen und Getränke genießen kann.
Diese von der Region Piemont vorangetriebene Entscheidung stellt Hotels zumindest hinsichtlich der hauseigenen Gastronomie praktisch mit traditionellen öffentlichen Einrichtungen gleich und macht die zusätzliche Lizenz überflüssig, die Bars und Restaurants bisher immer erwerben mussten.
Die regulatorische Änderung und die Vorteile für Hotels
Themenverzeichnis
Das neue Regionalgesetz, das vom Palazzo Lascaris verabschiedet wurde, erlaubt es Hotels, Mahlzeiten, Aperitifs und Getränke an Nicht-Einwohner anzubieten. Dabei nutzen sie ihre bereits bestehende Verwaltungsgenehmigung für Frühstück und Mahlzeiten. Dies bedeutet, dass die für öffentliche Einrichtungen normalerweise erforderliche Gastronomielizenz nicht mehr erforderlich ist. Einzelheiten zu den Bestimmungen für Hotelunterkünfte finden Sie im Regionale Verordnung Nr. 9 vom 15. Mai 2017
In Italien gibt es ähnliche Regelungen nur in wenigen anderen Regionen, darunter Latium, Toskana, Sizilien und Trentino-Südtirol.
Federalberghi zeigte sich mit der Maßnahme sehr zufrieden und wertete sie als einen strategischen Schritt zur Erweiterung des Hotelangebots der Stadt. Hotels können nun ein breiteres Publikum, darunter auch Einheimische, ansprechen, ihren Umsatz steigern und so ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Markt stärken.
Der Protest der Gastronomen: Ein Aufschrei gegen „unlauteren Wettbewerb“
Die Entscheidung löste jedoch heftige Reaktionen der Turiner Gastronomie aus, die offen „unlauteren Wettbewerb“ anprangerten. Epat und Ascom Torino, die Branchenverbände öffentlicher Einrichtungen, äußerten ihre tiefe Unzufriedenheit.
Vincenzo Nasi, Präsident von Epat, betonte, dass das Gastgewerbe zunehmend unter Druck stehe, da Neueröffnungen mit unklaren oder zu freizügigen Regeln verbunden seien. Neben Hotels, so beklagte er, hätten auch Feinkostläden, Bäckereien und sogar Handwerksbetriebe versucht, das Recht zum Servieren von Speisen und Getränken zu erhalten, was zu einer fragmentierten und komplexen Regulierungslandschaft geführt habe.
Zweifel an gleichen Regeln für alle: Die Krux der Ungleichheiten
Der eigentliche Knackpunkt der Sache, so Nasi, wie La Stampa berichtet, betrifft die Durchsetzung der Vorschriften: Wenn Hotels die Öffentlichkeit bedienen dürfen, müssen sie auch alle Bestimmungen des regionalen Gesetzes zur Gastronomie (Nr. 38 von 2006) einhalten.
Zu dieser Regelung gehören unter anderem verpflichtende berufliche Weiterbildungen, die Eintragung in amtliche Register, die Einhaltung strenger Hygiene- und Gesundheitsauflagen, die Einhaltung von Zeitvorgaben, die Einhaltung von Werbevorschriften und ausreichend Parkmöglichkeiten. „Wir fragen uns“, so Nasi, „ob für Hotels die gleichen Verpflichtungen gelten wie für traditionelle Betriebe.“
Wäre dies nicht der Fall, hätten wir es mit einem deutlichen Wettbewerbsungleichgewicht zu tun.“ Die Händler halten es für unerlässlich, dass es eine einheitliche Behandlung gibt und für alle die gleichen Regeln gelten, ohne dass „Grauzonen“ entstehen, die einen Teil des Sektors begünstigen.
Ihre Hauptsorge besteht darin, dass durch diese Öffnung Hotels unfair bevorzugt würden, die aufgrund ihrer etablierten Struktur und ihres festen Kundenstamms mit weniger Kosten und Einschränkungen operieren könnten als Restaurantbetreiber, die ausschließlich mit speziellen Lizenzen arbeiten.
Zukunftsaussichten und Klärungsbedarf
Die aktuelle Situation in Turin verdeutlicht die wachsenden Spannungen zwischen zwei Sektoren, die, obwohl sie im selben Gastgewerbe tätig sind, unterschiedlichen Vorschriften unterliegen.
Während Federalberghi das neue Gesetz als Chance für Wachstum und Modernisierung sieht, fordern Restaurantverbände Klarheit und gleiche Wettbewerbsbedingungen. Entscheidend wird sein, wie die Region Piemont die Umsetzung der neuen Bestimmungen überwachen will und ob Maßnahmen ergriffen werden, um einen fairen Wettbewerb zwischen allen Betreibern zu gewährleisten.
Die Debatte ist eröffnet und ihre Lösung wird die Zukunft der Turiner Gastronomielandschaft maßgeblich beeinflussen.













